Interviews

Wenn alles sichtbar wird

Beschreibung

Der Schauspiel-Star und Jedermann-Darsteller Philipp Hochmair über Gott und Spiritualität, seine Ministranten-Zeit in Wien, über Natur, die Sehnsucht nach innerer Verbindung – und die Frage, was am Ende eines Lebens zählt

INTERVIEW: Peter Lewandowski

FOTOS: Stephan Brückler

 

Zur Person

Philipp Hochmair, 1973 in Wien geboren, gehört zu den prägenden Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Einem breiten Publikum wurde er durch Film- und Fernsehrollen bekannt, unter anderem in „Vorstadtweiber“, der Reihe „Blind ermittelt“ – und als Reinhard Heydrich in dem viel beachteten Film „Die Wannsee-konferenz“.

Ausgebildet am Max Reinhardt Seminar in Wien, wurde er früh von Klaus Maria Brandauer geprägt, der ihn als Mentor begleitet hat. Seine künstlerische Heimat ist das Theater. Engagements führten ihn unter anderem an das Wiener Burgtheater, das Thalia Theater Hamburg und das Schauspielhaus Zürich. In seinen Soloarbeiten sucht Hochmair die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum intensiv, körperlich, oft nah an der Grenze zwischen Rolle und persönlichem Ausdruck.

 

Wenn Sie den Gedanken hören, dass irgendwann alles sichtbar wird – was löst das in Ihnen aus?

Erstaunlicherweise keine Angst. Eher eine Form von Wachheit. Vielleicht auch eine gewisse Neugier. Ich bin mit diesen Bildern aufgewachsen – ich war lange Ministrant, diese Vorstellungen vom Jüngsten Gericht, von Himmel und Hölle, waren mir sehr präsent.

Aber ich habe sie nie nur als Drohung empfunden. Da war immer auch etwas Spielerisches, etwas Bildhaftes, fast etwas Theatrales darin. Vielleicht habe ich früh gespürt, dass diese Geschichten mehr sind als Moral. Dass sie Räume öffnen. Und dass sie letztlich nicht nur sagen wollen: Du wirst gerichtet – sondern: Schau hin. Schau auf dein Leben.

Sie sind in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Welche Rolle hat der Glaube dort gespielt?

Er war da – aber eher in Form als in Tiefe. Es gab Kreuze, es gab Gebete, es gab Rituale. Aber es war kein gelebter Glaube im Sinne einer wirklichen inneren Beziehung. Vieles wurde gesagt, ohne dass man es wirklich durchdrungen hätte. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was da eigentlich verhandelt wird. Als Kind nimmt man das ja erst einmal einfach hin. Man spricht die Worte, ohne sie zu füllen. Erst später beginnt man, sich zu fragen, ob und wie das etwas mit einem selbst zu tun hat.

Und dennoch haben Sie sich entschieden, Ministrant zu werden.

Ja, das war meine eigene Entscheidung. Und ich glaube, sie hatte viel mit der Form zu tun, mit der Inszenierung. Dieser Raum, diese Rituale, der Weihrauch, das Licht – das war ja unglaublich kraftvoll. Im Grunde ist das eine sehr dichte Form von Theater. Mich hat das angezogen. Diese Verbindung von Raum, Körper, Stimme, Symbol. Ich habe das damals nicht als Spiritualität benannt, aber im Rückblick war es wahrscheinlich eine erste Begegnung damit. Eine, die über das Sichtbare hinausging.

Welche Rolle spielt Gott heute in Ihrem Leben?

Ich glaube an etwas – aber nicht mehr an die Vorstellung eines personalen Gottes, wie man sie als Kind vermittelt bekommt. Diese Figur hat sich für mich relativ früh aufgelöst. Was geblieben ist, ist eher ein Gefühl für eine Kraft. Für etwas, das größer ist als wir. Ein Zusammenhang, in dem wir stehen, ob wir wollen oder nicht. Man könnte es einen göttlichen Funken nennen. Etwas, das in allem vorhanden ist – und das wir gleichzeitig oft übergehen oder sogar zerstören.

Was würde sich verändern, wenn dieser „göttliche Funke“ stärker im Alltag spürbar

wäre?

Vielleicht vor allem unser Umgang miteinander. Ich glaube, es würde sehr viel einfacher – und

gleichzeitig sehr viel anspruchsvoller. Es würde bedeuten, den anderen wirklich zu sehen. Ihn

als gleichwertig anzuerkennen. Nicht nur im Prinzip, sondern im Handeln. Das ist im Grunde

ein zutiefst humanistischer Gedanke. Und auch ein zutiefst christlicher. Dass jeder Mensch Würde hat. Dass man nicht nur für sich selbst lebt. Dass man teilt. Dass man Verantwortung übernimmt. Das klingt alles sehr schlicht. Aber genau daran scheitern wir ja immer wieder.

 

 

Das ganze Interview mit Philipp Hochmair finden Sie in unserer aktuellen Juli-Ausgabe:

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