Erstellt von Xenia Frenkel
Steyler Projekt

Nicaragua: Hoffnung wächst auf trockenem Boden

Beschreibung

In Palacagüina im Norden Nicaraguas kämpfen Kleinbauernfamilien gegen Dürre, Armut und Ernährungsunsicherheit. Ein Agrarprojekt mit klimaangepasstem Saatgut und nachhaltigen Anbaumethoden soll ihnen neue Perspektiven eröffnen.

Crescencio López Muñoz wischt sich den Schweiß von der Stirn. Seit Wochen ist es unerträglich heiß und schwül. Kein Lüftchen weht. Eigentlich sollte es regnen. Der Oktober ist – eigentlich – der niederschlagsreichste Monat des Jahres. Es müsste sogar ganz dringend regnen. Das Stück Land, auf dem Crescencio gemeinsam mit seiner Frau und zwei Kindern Mais und Bohnen anbaut, zeigt tiefe Risse; die aufgebrochene Erde gleicht einer Kraterlandschaft. Jedes Pflänzchen will ihr mühsam abgerungen werden.

Wenn Dürre die Ernte bedroht

Und selbst wenn es mal regnet, fallen hier, im hügeligen Norden Nicaraguas, in der Gemeinde Palacagüina unweit der Grenze zu Honduras, die Ernten mager aus.

Nicaragua gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas, es ist weltweit auch mit am stärksten vom Klimawandel betroffen. Schwere Hurrikane und extreme Dürren führen immer wieder zu massiven Ernteausfällen. Diese wiederum ziehen schwere Ernährungskrisen nach sich. Kleinbauern wie Crescencio sind kaum noch in der Lage, ausreichend Nahrungsmittel für den Eigenbedarf zu produzieren, geschweige denn für den Verkauf, um Rücklagen für die dringend benötigten landwirtschaftlichen Betriebsmittel zu bilden oder auch nur einen kaputten Plastikstuhl zu ersetzen. Es fehlt an so ziemlich allem für ein Leben, wie unsereins es kennt.

Pater Matthew Yeng SVD weiß, was Armut bedeutet – und auch, wie man sie wirkungsvoll bekämpfen kann. Der gebürtige Ghanaer, der vor zwölf Jahren nach Nicaragua kam und seit mehr als acht Jahren die Pfarrgemeinde von Palacagüina betreut, hat ein Agrarprojekt entwickelt, das die Subsistenzlandwirtschaft der ländlichen Familien nachhaltig stärken und mehr Ernährungssicherheit schaffen soll.

 

Klimaangepasstes Saatgut für mehr Ernährungssicherheit

Sechzig erfahrene Kleinbauern und -bäuerinnen zwischen 25 und 70 Jahren sind daran beteiligt. Auch Crescencio, der hofft, bald in größerem Umfang Mais und Bohnen anbauen und ernten zu können, damit seine Familie endlich ausreichend zu essen bekommt und vielleicht sogar Geld für die Ausbildung der Kinder übrig bleibt.

Der Einsatz von klimaangepasstem Saatgut ist vielversprechend. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich trotz widriger Bedingungen sattes Grün auf seinem Feld. Die biofortifizierten Bohnen enthalten mehr Eisen und Zink, der Mais ist proteinreicher. Im Vergleich zu traditionellen Sorten können so höhere Erträge mit besserer Nährstoffqualität erzielt werden. Damit die neuen Sorten richtig angewendet werden, begleitet ein studierter Landwirt das Projekt mit praktischen Schulungen.

Auch um Dürren und Überschwemmungen zu trotzen, muss sich die Landwirtschaft dringend hin zu vielfältigen Anbaumethoden und gesünderen Böden entwickeln. P. Matthew Yeng weiß das. Das Agrarprojekt ist deshalb sein Herzensanliegen. Er kann zwar nicht mehr ständig vor Ort sein, seit er 2022 zum Regional Superior für Zentralamerika – Panama, Costa Rica und Nicaragua – berufen wurde, doch alle drei Monate schaut er in Palacagüina vorbei, greift selbst zu Schaufel und Harke und lässt sich von Fortschritten, Herausforderungen und Problemen berichten. Neues Saatgut muss gekauft werden, besseres Werkzeug wird dringend benötigt. Im Krankheitsfall braucht es auch finanzielle Überbrückungshilfen und manchmal einfach nur einen neuen Plastikstuhl, damit sich die Familie gemeinsam an einen Tisch setzen kann. Wir vergessen manchmal, wie wenig selbstverständlich unsere Selbstverständlichkeiten andernorts sind.

Frauen tragen die Hoffnung für die Zukunft

Ein Schicksal, das Sara María Gutiérrez ihren Töchtern ersparen möchte. Es mag an vielem fehlen, aber für die beiden wünscht sich die alleinerziehende Mutter vor allem eine gute Ausbildung. Doch erst einmal muss einigermaßen regelmäßig Essen auf den Tisch kommen. Deshalb war Sara sofort dabei, als sie von P. Matthew Yengs Agrarprojekt hörte. Fast ungläubig schaut sie während der Feldarbeit auf das satte, gesunde Grün der Jungpflanzen.

Auch Mercedes Del Carmen Pérez Hernández schöpft wieder Hoffnung, seit sie bei Pater Matthews Projekt mitarbeitet. Die 28-Jährige gehört zu den wenigen in der Gemeinde Palacagüina, die einen Highschool-Abschluss haben, und hätte eigentlich gern weitergelernt. Doch bislang konnte sich die Familie weder Saatgut noch geeignetes Werkzeug leisten, geschweige denn eine Ausbildung oder ein Studium finanzieren. Jetzt befasst sich Mercedes mit neuen Anbautechniken für Sorghum, Mais und Bohnen, glücklich über jedes Pflänzchen, das sich über Nacht aus der trockenen Scholle gekämpft hat. Es werden jeden Tag mehr. Und wenn alles gut geht, kann Mercedes, die so leicht und gern lernt, ihren Traumberuf Lehrerin vielleicht doch noch ergreifen.

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Zur Rubrik

Gemeinsam Ernährungssicherheit schaffen

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie Kleinbauernfamilien in Palacagüina dabei, ihre Landwirtschaft klimaresilienter zu gestalten, ihre Ernährung zu sichern und neue Perspektiven für ihre Kinder zu schaffen:

Österreich: MISSIONSPROKUR ST. GABRIEL INTERNATIONAL
IBAN AT26 2011 1800 8068 0800
Einzahlungsreferenz: 1541X
Verwendungszweck: Hilfe zur Selbsthilfe!

Schweiz: MISSIONSPROKUR MARIA HILF
IBAN: CH16 0900 0000 9001 3192 2
Stichwort: Ernährungssicherheit Nicaragua

Deutschland: STEYLER MISSION
IBAN DE77 3862 1500 0000 0110 09
BIC GENODED1STB | Stichwort: 26LJCAMB

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