„Mit dem Tod hört ja nicht das Leben auf, sondern das Sterben.“ Diesen Satz sagte der heutige Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bei der Eröffnung eines Hospizes in Wien im Dezember 2025. Im Hospiz werden Sterbende begleitet. Ja, das Sterben gehört zum Leben. Es betrifft alle, jeden und jede von uns. Ich habe den Ausspruch für mich so verstanden, so übersetzt: Das Sterben ist vom Leben umfangen. Es ist ein Teil des Lebens, für das es nach christlichem Glauben kein Ende gibt. Wie sagt doch Jesus zu Marta aus Betanien: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt …“(Joh 11,25)
Nicht nur Jesus, auch die Natur lehrt uns das. Sterbeprozesse gehören zum Leben. Blätter fallen zu Boden, um Nährstoffe für neues Leben zu bilden. Weil etwas vergeht, kann Neues werden. So gesehen ist es eigentlich verrückt, dass daran geforscht wird, das Altern zu verhindern, ja vielleicht sogar ein „ewiges“ irdisches Leben zu ermöglichen. Was würde es bedeuten für die Welt, wenn Menschen nicht mehr Platz machen für nächste Generationen? Was bringt dieses Klammern an das Leben? Verunmöglicht es nicht letztlich das Leben und die Zukunft für die Menschheit, ja für den ganzen Planeten? Der bekannte Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner hat in einem seiner Bücher vor Jahren auf ein Paradox hingewiesen: Die Lebenserwartung der Menschen steigt, aber zugleich leben sie immer kürzer, weil die Hoffnung auf ein ewiges Leben verloren gegangen
ist. Verlustanzeige Ewigkeit!
Dabei könnte der Glaube an die Ewigkeit doch entlastend wirken. Wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, weiß: Ich muss nicht jetzt schon alles haben. Das Beste kommt noch, und was ich an Schönem hier erlebe, ist ein Vorgeschmack darauf. Wenn ich mich einsetze für das Gute, und es setzt sich nicht durch, dann weiß ich trotzdem: Es war nicht umsonst. Denn letztlich wird es einmal anbrechen in Fülle. Und mein Beitrag dazu ist nicht verloren, er ist ein Teil davon. So kämpfe ich mit einer größeren Hoffnung. Auch deshalb, weil ich mit gläubigen Augen sehe, dass die neue Wirklichkeit des Guten, Schönen und Wahren jetzt schon am Anbrechen ist, mitten im Schlamassel der Welt und meines Alltags. Das Leben in und mit Gott kennt keine Trennung zwischen „hier auf der Erde“ und „dort in der Ewigkeit“. Es ist immer schon Wirklichkeit, im Hier und Jetzt des Lebens.
Zum Leben gehören Sterbeprozesse. Immer wieder heißt es Abschied nehmen. In besonderer Weise habe ich das erlebt, als ich vor vielen Jahren Abschied nahm von Österreich, um in Brasilien als Missionar zu arbeiten. Meine Eltern, Verwandten und Freunde habe ich hinter mir gelassen, und auch meine Muttersprache. Statt Walzer war Samba angesagt. Ein neues Leben habe ich gewonnen. Wie dankbar bin ich dafür! Diese Erfahrung prägt und inspiriert mich bis heute. Und ich sehe es an vielen Steyler Missionaren und Missionsschwestern, wie prägend und wie fruchtbar dieses Hinübergehen in ein neues Leben ist. Es ist wie Sterben und Auferstehen zu neuem Leben!




