Eines der originellsten Geschenke, das ich je erhaltenhabe, waren Papier und Schreibstift, die auch im Nassen funktionieren. Ich hatte nämlich – zu Besuch bei einer lieben Freundin – bei Tisch erzählt, dass mir die besten Einfälle immer unter der Dusche kommen – und ich sie dann leider meistens wieder vergesse. Da hat mir die Mutter meiner Freundin dieses besondere Geschenk gemacht. Von da an hatte ich die Möglichkeit, wertvolle „Geistesblitze“ sogar unter der Dusche auf wasserfestem Papier festzuhalten. Was für eine Freude!
Gottes Geist wirkt, wo er will. So steht es schon in der Bibel, und so erlebe ich es auch. Dieser Glaube an das Wirken des Geistes Gottes in meinem Leben ist definitiv etwas, was mich trägt. Ich „rechne“ mit dem Wirken Gottes, mitten im Alltag, ja sogar unter der Dusche. Kennen Sie das auch, so ein „geistesgegenwärtiges Leben“ voller Offenheit und Dankbarkeit für die Menschen, für das Abenteuer des Lebens, für das Geschenk eines Neuanfangs, für eine Geste der Zuwendung, für ein Lächeln? Sehen Sie auch hinter oder in allen Dingen eine Wirkmacht, die göttlich ist und Leben fördert und schützt, und eine Gegenmacht darstellt zu allem, was das Leben zerstört? Gottes Heiliger Geist!
In besonderer Weise erfahre ich die Gegenwart des Heiligen Geistes manchmal bei liturgischen Feiern. Ich feiere hier bei uns in St. Gabriel viermal im Jahr mit der Schulgemeinschaft einer Montessori-Schule ökumenische Gottesdienste. Da wurde ich schon wiederholt tief berührt, weil Schulkinder, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer so miteinander beteten, dass sie einander eine Minute lang in Stille an den Händen hielten und einfach nur die Verbundenheit spürten. Als sich dann das Vaterunser anschloss, wobei sie einander weiter an den Händen hielten, machte niemand Blödsinn. Es war ein zutiefst berührendes Miteinander. Einfach Gott-gewirkt.
Ich mag auch die Vorstellung, dass Gottes Geist weiblich ist. Das hebräische Wort in der Bibel für „Geist“ bzw. „Windhauch“ ist ja weiblich. Die „Geistin“ verbindet, wie manche Mutter die Familie, wie manche Krankenschwester die Wunden. Gottes Geist verbindet und heilt. Wie nötig das unsere Zeit doch hat! Es ist ermutigend und tröstlich, dass wir mit Gottes Rückenwind rechnen dürfen bei unseren Versuchen, in einer polarisierten Gesellschaft Menschen und Völker wieder miteinander zu verbinden und jenen beizustehen, die traumatisiert und verwundet sind von Gewalt und Krieg.
Gottes Geist reißt Mauern nieder und verbindet. Er ermöglicht Einheit in der Vielfalt. Das darf ich immer wieder in meiner Ordensgemeinschaft erfahren, bei den Steyler Missionaren. Es ist schon wie ein Wunder, dass aus einem deutschen Missionsorden in 150 Jahren eine weltweite Gemeinschaft geworden ist, zu der Mitglieder aus fast 80 verschiedenen Ländern gehören. Aber vielleicht sollte ich mich nicht darüber wundern, sondern mich einfach nur freuen über das, was hier der Heilige Geist gewirkt hat und weiter wirkt. Nicht nur in meinem Orden, sondern in der ganzen Weltkirche mit ihren 1,4 Milliarden Mitgliedern aus allen Völkern und Nationen, die er verbindet.




