Steyler stärken Kleinbauern auf der indonesischen Insel Flores
Beschreibung
Auf Flores finden Kleinbauern neue Wege aus der Armut – unterstützt von den Steyler Missionaren und ihrer Partnerorganisation AYO, getragen von Wissen, Gemeinschaft und nachhaltiger Landwirtschaft
Ein Haufen Ruß liegt auf einem Grünstreifen neben dem Gemüsefeld von Kanisius Bas. Was auf den ersten Blick unscheinbar, nicht einmal erwähnenswert wirkt, ist für den Kleinbauern ein Garant zum Überleben. „Es ist Biokohle“, sagt er. „Sie verbessert die Qualität des Bodens. Seit ich sie herstelle und nutze, steigen meine Ernteerträge.“ Trotz Klimawandel. Von dessen Auswirkungen ist die indonesische Insel Flores stark betroffen. Der Beginn der Regenzeit hat sich deutlich nach hinten verschoben, was es den Bauern schwer macht, die notwendige Feldarbeit zu planen. Lange Trockenheit, gefolgt von kräftigen Niederschlägen, führt zusätzlich zu schlechten Ernten. Seit Jahren produzieren die Kleinbauern weniger Reis, der ihre Haupteinnahmequelle ist. Ihnen fehlen das Wissen und die Mittel, sich gegen die zunehmende Verarmung zu stemmen. Viele Menschen sind mangelernährt.
Pflanzenkohle statt chemischem Dünger
Bei flirrender Hitze füllt Kanisius Bas, 54, die Biokohle in einen Eimer. „Sie hält die Feuchtigkeit in der Erde“, sagt er, während er die schwarzen Krümel durch seine Hand rinnen lässt. „Und damit auch die Nährstoffe.“ Gemischt wird die Kohle mit Tiermist und verstärkt damit die Wirkung des organischen Düngers. Kosten, die für den Kleinbauern aus dem Dorf Rana Loba anfallen: keine. „Früher habe ich viel Geld für chemischen Dünger ausgegeben. Ich benutze ihn immer noch, aber benötige viel weniger.“
Jeden Nachmittag stellt Kanisius Bas Pflanzenkohle her: Er füllt Pflanzenreste in eine Art Kamin aus Drahtgeflecht. Sie verbrennen darin unter Sauerstoffmangel, sodass nach mehreren Stunden Biokohle entsteht. Am Ende wird das Feuer durch Löschen mit Wasser oder durch Bedecken mit Erde gestoppt. Pyrolyse heißt dieses Verfahren.
Das Wissen über Pflanzenkohle, ihre Wirkung und Herstellung hat Kanisius Bas von AYO erhalten. Die indonesische Hilfsorganisation setzt sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der unter Klimawandel und Armut leidenden Bevölkerung von Flores ein. Das macht sie mittels nachhaltiger Landwirtschaftsprojekte, um die Ernährung der Menschen zu sichern und ihre Gesundheit zu verbessern. Sie schult die Kleinbauern im Umgang mit Geld, berät sie bei der Vermarktung ihrer Produkte. Und sie hilft bei der Entwicklung von Geschäftsideen. Mitarbeiter gehen in die Dörfer, um die Bewohner zu schulen, sind auch danach immer für sie erreichbar. Seit über zehn Jahren arbeiten die Steyler Missionare in Ruteng auf Pfarreiwie auf Diözesanebene eng mit AYO zusammen und unterstützen sie.
Gemüseanbau funktioniert das ganze Jahr über
Von AYO stammt auch die Idee, Gemüse statt ausschließlich Reis anzubauen. Rikhardus Roden von AYO, der an diesem Tag mehrere Familien in unterschiedlichen, weit voneinander entfernt liegenden Dörfern besucht, erklärt, warum:
„Gemüse ist günstiger, kann das ganze Jahr über geerntet werden und nicht nur vier Monate wie Reis – das verspricht drei- bis viermal so hohe Einnahmen.“ Jetzt wachsen auf den Feldern von Kanisius Bas Blattgemüse wie Spinat und Kohl sowie Tomaten. „Händler kommen in unser Dorf, um bei uns einzukaufen“, erzählt er stolz. „Mit dem Geld, das ich jetzt verdiene, kann ich die Ausbildung meiner Kinder bezahlen.“
„Bevor wir kamen, bauten die Bauern nur Kaffee an“, so Rikhardus Roden, der von den Dorfbewohnern herzlich begrüßt wird. „Aber durch den Klimawandel war die Gefahr von Missernten groß. Wir haben ihnen geraten, zu diversifizieren und zusätzlich Gemüse anzubauen.“ Dafür mieteten die Dorfbewohner ein Stück Land und rodeten es. Jeder bekam eine eigene, gleich große Parzelle und verwendet organischen Dünger mit Pflanzenkohle. „Das Gemüse gedeiht gut. Durch den Verkauf verdienen wir jetzt deutlich mehr“, sagt Gregorius Matur, 31. Er war es auch, der die Idee hatte, dass jede der 23 Familien des Dorfes von ihren Einnahmen einen kleinen Betrag gibt, um davon einen weiteren Lehrer zu finanzieren. In der Schule, die am Rande der Gemüsefelder liegt, gab es nur zwei Lehrkräfte. „Das reichte aber nicht aus“, so der Farmer. „Bildung ist so wichtig für unsere Kinder, damit sie eine Chance haben, der Armut zu entkommen.“
In vielen Dörfern unterstützt AYO Menschen mit Behinderungen
Unterstützung von AYO erhalten auch Menschen mit Behinderungen und ihre Familien. In 20 Dörfern hat AYO inklusive Gruppen gebildet. Mitarbeiter klären die Mitglieder zum Thema Klimawandel und dessen Auswirkungen auf, schulen sie in biologischer Landwirtschaft mit Pflanzenkohle. Und geben ihnen Saatgut, um in ihren Gärten Gemüse und Obst anzupflanzen, tatt auf dem Markt zu kaufen. Einige verkaufen bereits Teile ihrer Ernte.
Geemüseanbau statt nur Kaffee oder Reis erschließt eine zusätzliche Einnahmequelle
In Colo Worok bauen die Kleinbauern inzwischen unterschiedliches Gemüse an, statt wie früher nur auf Kaffee zu setzen. In Zeiten des Klimawandels wäre das zu riskant. Vom Erlös der Ernte bezahlen sie einen zusätzlichen Lehrer für die Dofschule | Foto: Garry LotulungDie Familie von Bonefasius Pedor, genannt Boni, die im Dorf Ranaka lebt, ist Mitglied in einer inklusiven Gruppe. Sein Sohn Bernadus ist geistig eingeschränkt. Vorher verkaufte der Familienvater Sand für den Hausbau, doch dieser wurde immer knapper. Inzwischen verdient er sein Geld mit der Herstellung und dem Verkauf von organischem Dünger mit Biokohle, verpackt in großen Säcken. Im Schneidersitz hockt er gemeinsam mit seiner Familie und Nachbarn auf den Strohmatten seines Holzhauses und berichtet, wie AYO geholfen hat. „Sie haben mir beigebracht, wie man einen Geschäftsplan erstellt. Alleine hätte ich das nicht geschafft.“ Auf seinem kleinen Feld hinter seinem Haus baut er Gemüse an, nutzt die Pflanzenreste für die Herstellung der Biokohle. Inzwischen ist er auf Anraten von AYO Mitglied in einer örtlichen Kreditgenossenschaft, wo er Geld anspart. Für nötige Anschaffungen erhält er dort sehr günstige Zinsen, statt bei Kredithaien hohe Schulden zu machen.
Mit der eigenen Sojaproduktion zum Erfolg
Wie wichtig ein gut durchdachter Geschäfts- und Finanzplan ist, zeigt auch das Beispiel von Arnoldianus Katung. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die der 38-Jährige erzählt. Sie beginnt vor zehn Jahren, als er mit Rikhardus Roden sprach, nachdem dieser einen Vortrag über Geschäftsideen und deren Umsetzung gehalten hatte. „Ich hatte nur noch wenig Hoffnung, einmal genug Geld zu verdienen, um meine Familie ernähren zu können.“ Nach gemeinsamen Überlegungen war die neue Idee geboren: Herstellung und Verkauf von Tempeh.
Das sind fermentierte Sojabohnen, die zu einer festen Masse verarbeitet und in Stücke geschnitten werden. Das eiweißhaltige Lebensmittel ist eine gesunde Alternative zu Fisch, der hier in den Hügeln, weitab vom Meer, nur schwer zu bekommen ist. Das Geschäft mit Tofu läuft ausgezeichnet, er will expandieren. Das Haus, in dem er lebt, gehört ihm, seine Frau führt darin einen kleinen Laden. „Meine drei Söhne können jetzt eine gute Schule besuchen. Und ich kann sogar Geld für soziale Zwecke spenden.“
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ÖSTERREICH
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Steyler Missionsprokur
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Stichwort Ernährungssicherheit Indonesien
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