Erstellt von Nadine Vogelsberg

Zu Besuch in einer Schokoladenmanufaktur

Die Auswahl an Pralinen ist groß - und immer wieder kommen neue Sorten hinzu
Die Auswahl an Pralinen ist groß - und immer wieder kommen neue Sorten hinzu

Ob klassisch oder ausgefallen: In der Manufaktur gibt es Schokolade in allen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen, mit Gewürzen, Früchten, Nüssen oder pur. | Foto: Coppeneur

Seit 30 Jahren fertigt Oliver Coppeneur in seiner Manufaktur Pralinen und Schokoladentafeln. Zu Besuch bei einem Chocolatier, der weiß, dass auch Genuss zu einem guten Leben gehört

Das Schokoladenparadies liegt mitten im Industriegebiet: draußen Motorengeruch, drinnen der Duft von Kakao. An den Wänden reihen sich fein säuberlich Schokoladentafeln in allen Variationen auf, davor bunt verpackte Berge von Pralinen: Walnuss-Vanille, Sauer­kirsch, Cranberry, Omas Zupfku­chen. „Schokolade fragt nicht, Schokolade versteht“, steht auf einem kleinen Schild. Dazwischen: kleine Schalen zum Probieren. Vom Café-Bereich weht das süße Aroma heißer Schokolade durch das Gebäude.

Dies ist nicht nur ein Hand­werks­betrieb, sondern eine Ma­nu­faktur für Lebensfreude. So jedenfalls heißt es auf der Website des Schokoladenherstellers ­Coppeneur, gegründet 1993 von Oliver Coppeneur. Den 55-Jährigen faszinieren drei Dinge an seiner Arbeit: die verschiedenen Aromen von Kakaobohnen aus aller Welt, die Kulturen, aus denen sie kommen, und die Menschen in Familien und Kooperativen.

Schokolade in Handarbeit

Aber hier wird nicht nur Schokolade verkauft, sondern auch hergestellt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in weißen Kitteln mit Haarnetz durch das Gebäude eilen, zeugen davon. Hygiene ist wichtig. Je näher das Herzstück der Manufaktur rückt, desto angenehmer riecht es. Zu sehen ist in der großen Halle mit hohen Decken dann aber erstaunlich wenig. Die hellgelben Maschinen, in denen unter rhythmischem Stampfen aus Kakaobohnen Schokolade wird, wirken in dem großen Raum eher klein.

An der Wand findet sich eine der wichtigsten Gerätschaften: die Conchiermaschine. Dort wird die flüssige, warme Schokolade 24 bis 120 Stunden verrührt, wodurch Restfeuchtigkeit und Gerbsäuren abgebaut werden und sie den schmelzenden Charakter und damit ihren Geschmack erhält. „Dort fließt die Schokolade entlang, von der Conchiermaschine zu den einzelnen Stationen“, erläutert Coppe­neur und zeigt mit der Hand zu einem unscheinbaren Metallrohr, das die verschiedenen Maschinen miteinander verbindet.

In diesen Maschinen wird aus flüssiger Schokolade eine Tafel Schokolade oder eine Praline. Verziert werden die fertigen Pralinen und Tafeln dann von Hand, mit kleinen Stempeln oder Spritztüten, mit bunter Schoko-Frucht-Mischung. Manufaktur eben.

Gegründet hat Coppeneur seine Firma einst mit einem Freund, um sich auf die Herstellung von Pralinen konzentrieren zu können. Los ging es damals mit Tiramisu-Trüffeln, dann kamen Baileys-Trüffel – und schließlich der große Erfolg. Mehrere Umzüge, 120 Angestellte, der Kauf und spätere Verkauf einer eigenen Kakaoplantage auf der Insel Nosy Be vor Madagaskar und natürlich: sehr viel Erfahrung. „Kakao aus Madagaskar ist fruchtig, mit einem Aroma von Beeren und Blutorange, der aus Ecuador ist dagegen nussig und trocken.“

Und was mag der Chocolatier selbst? Der kann sich zwischen dunkler und weißer Schokolade gar nicht entscheiden. Muss er auch nicht. Er sitzt schließlich an der Quelle.

Zur Rubrik

Alles rund um die Schokoladenmanufaktur, die Pralinen, die Shops und die Kurse erfahren Sie außerdem hier.

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