Erstellt von Xenia Frenkel
Leben & Gesellschaft

Fastenzeit: 40 Tage Freiheit

Beschreibung

Ein Becher, dazu ein Stück Brot und ein Kreuz
Die Fastenzeit tut uns gut - körperlich wie geistig

Während der 40 Tage vor Ostern fasten viele Christinnen und Christen | Foto: iStock

Verzicht lässt uns Gewohntes hinterfragen und Abhängigkeiten aufdecken. Damit wir, befreit, an Klarheit und Freiheit gewinnen

Im christlichen Glauben findet die 40-tägige Fastenzeit, auch „österliche Bußzeit“ genannt, vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag statt. Fester Bestandteil ist stets das Fasten, das mittlerweile auch weltliche Formen des Verzichts kennt. Er erstreckt sich auf beinah alle Lebensbereiche: Auto fahren, Fleisch essen, Plastikmüll produzieren, Alkohol trinken, den ständigen Griff zu Smartphone, Chips und Süßigkeiten sowie manches andere.

Wir leben in einer Welt, in der uns sehr, sehr viele Dinge ganz selbstverständlich zur Verfügung stehen, was menschheitsgeschichtlich eine ziemlich einmalige Situation ist. Gleichzeitig findet sich in so gut wie allen Kulturen die Tradition des Fastens, erste Zeugnisse stammen bereits aus der Zeit Mesopotamiens 5000 v. Chr. Es sieht so aus, als sei der bewusste Verzicht weniger dem Überkonsum einer Wohlstandsgesellschaft geschuldet, als vielmehr einem tiefgreifenden, menschlichen Bedürfnis zu entsprechen.

Freiheit durch Verzicht

„Was es alles gibt, das ich nicht brauche!“, soll der griechische Philosoph Aristoteles einmal gesagt haben. Da schwingt Erleichterung mit. Und tatsächlich, wenn man in einem festgelegten Zeitraum auf gewohnte Annehmlichkeiten oder eingeschliffene Gewohnheiten verzichtet, sich selbst als unabhängig von scheinbar drängenden Impulsen oder Verlockungen erlebt, schenkt einem das ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit. Während wir uns im Rest des Jahres nicht selten von äußeren Reizen und Einflüssen bestimmt fühlen, können wir in der Fastenzeit etwas an Autonomie und Kontrolle zurückerobern. Auch legt das bewusste Durchbrechen von Gewohnheiten und starren Verhaltensmustern nicht selten unsere wahren Bedürfnisse frei – nach mehr menschlicher Nähe, mehr Ruhe und intensiver Naturerfahrung.

Schon ab dem dritten, vierten Fastentag fühlt man sich deutlich entlastet. Körperlich leichter, mental klarer und seelisch gefestigter, gewinnt man überdies oft auch noch an Zeit. Das Beste: Die positiven Erfahrungen des Verzichts bleiben auch nach der Fastenzeit, dann, wenn sich das Leben wieder „normalisiert“, erhalten und bieten somit die Chance, sich die eigenen Handlungsabläufe und Gewohnheiten grundsätzlich bewusster zu machen. Das allein ist viel wert.

Fasten als Zeichen von Solidarität

Nicht zuletzt tut der Verzicht in der Fastenzeit nicht nur einem selbst gut, er hat auch einen sozialen Bezug. Für den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer drückt er Barmherzigkeit und Solidarität aus. So heißt es in seinem Text zur Fastenzeit: „Die Entsagung mindert in uns die Selbstsucht und öffnet unser Herz für die Armen.“

In diesem Sinn wünschen wir von ,Leben jetzt‘ frohes und leichtes Fasten. 

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Kleines Fasten 1x1

Vor Beginn des Fastens einen Arzt aufsuchen, um sicherzustellen, dass medizinisch nichts dagegenspricht.

Den Darm zu Beginn des Fastens mithilfe einer Salzlösung entleeren. Zur Förderung der Darmtätigkeit kann man danach jeden zweiten Tag Einläufe machen oder sanfte Abführhilfen wie Sauerkraut-, Pflaumensaft und Apfelessig verwenden.

Mindestens drei Liter Flüssigkeit am Tag trinken, am besten Wasser, Kräutertees, Obst- und Gemüsesaft oder Gemüsebrühe. Körperliche Aktivität mit Bettruhe und Entspannung abwechseln.

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