Klosterküche aus der Benediktinerabtei Maria Laach
Beschreibung
Küchengehorsam - geht das auch anders? Seit mehr als drei Jahren ist Carsten Bengel (37) Küchenchef in der Benediktinerabtei Maria Laach. So viel vorab: In dieser Zeit – anders als in mancher Profiküche – sind in der Konventküche keine Teller geflogen, die Genussmanufaktur hat ihre Produktpalette erweitert und Bengel selbst hat viel gelernt über das Feiern und Fasten bei den Benediktinern
‚Leben jetzt‘: Herr Bengel, zwischen Konvent und Gastflügel gibt es einiges zu koordinieren. Was liegt dabei in Ihrer Verantwortung?
Carsten Bengel: Mit meinem sechsköpfigen Team versorgen wir täglich etwa 6o Personen, am Wochenende auch mehr, mit Frühstück, Mittagessen, Abendessen und auf Wunsch Kaffee und Kuchen. Und dann haben wir noch die Genussmanufaktur, die bei uns mit in die Abläufe eingebunden ist. Da entstehen die Produkte, die später im Klosterladen verkauft werden.
Lj: Genussmanufaktur – das klingt nach mehr als „nur“ Klosterküche. Was machen Sie dort genau?
Bengel: Wir stellen verschiedene Tees her und verarbeiten auch den Laacher Apfel weiter – das ist eine Sorte, die direkt rund ums Kloster wächst und die wir viel verwenden. Daraus machen wir zum Beispiel Aufstriche oder kleine Spezialitäten. Dazu kommen Chutneys, Senf, Gewürze und Kräutersalze. Im Winter laufen die weihnachtlichen Produkte besonders gut, wie der Bratapfel-Fruchtaufstrich oder unser Adventstee. Ganzjährig beliebt ist der Apfel-Holunder-Blüten-Aufstrich. Gekocht wird das morgens im Küchenablauf, abgefüllt und etikettiert von den Küchenhilfen – und dann geht alles in den Klosterladen.
Lj: In vielen Profiküchen, sagt man, herrscht ein Ton „wie beim Militär“. Wie erleben Sie das Thema Gehorsam in der Küche?
Bengel: In der Küche herrscht schon ein anderer Ton als zum Beispiel im Büro, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Und Gehorsam spielt auf jeden Fall eine Rolle: Es gibt Abläufe, die müssen sitzen. Ich habe Küchen erlebt, in denen Teller geflogen sind, wenn etwas nicht schnell genug ging. Das war früher teilweise Gang und Gäbe. In Maria Laach ist es anders: strukturierter, familiärer, gediegener. Man merkt, dass es ein besonderer Ort ist. Wenn es stressig wird, zieht jeder mit – aber nicht, weil jemand schreit, sondern weil jeder seine Aufgabe kennt.
Lj: Das heißt, wenn das Team funktioniert, ist Gehorsam kein Thema?
Bengel: Ja, genau. Wenn das Team gut eingespielt ist, muss niemand brüllen. Dann ist der Gehorsam quasi in den Handgriffen eingebaut. Jeder weiß, wann er wo sein muss, und Pünktlichkeit ist da für mich ein Kernpunkt. Fünf Minuten vor der Zeit ist pünktlich. Wenn es richtig rund geht, wird nicht diskutiert, sondern gemacht. Das ist kein blinder Gehorsam, sondern ein Verständnis dafür, dass wir nur gemeinsam funktionieren.
Lj: Ist ja auch manchmal sehr angenehm, einfach zu gehorchen.
Bengel: Genau. Einer führt, die anderen kochen zu – das ist völlig okay. Wichtig ist nur, dass jeder weiß, wann er gefragt ist und Verantwortung übernimmt.
Lj: Sie sind katholisch und in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Das Kirchenjahr ist ihnen vertraut, aber alle Feiertage auf der Liste, die der Abt Ihnen ausgehändigt hat, kannten Sie dennoch nicht?
Bengel: Dass beispielsweise der Advent eine Fastenzeit ist, das war mir so nicht bewusst. Da wird öfter auf Fleisch verzichtet, auch Brötchen gibt es dann nicht immer. Am Aschermittwoch wird abends traditionell nur Haferschleim serviert - und Brot mit Schmelzkäse für diejenigen, die den Haferschleim nicht mögen. Und dann gibt es die andere Seite: Nikolaus und Weihnachten mit Plätzchen und Glühwein, Matjes-Essen zu festen Gelegenheiten, besondere Menüs zu runden Geburtstagen oder bei Professfeiern.
Lj: Sie haben in Ihrer Laufbahn schon in ganz unterschiedlichen Küchen gearbeitet – auch im Krankenhaus, im Catering, in der gehobenen Gastronomie. Wie unterscheidet sich die Klosterküche davon?
Bengel: Im Krankenhaus war vieles sehr geregelt, sehr gleichförmig – acht Stunden, feste Arbeitszeiten. Das war für ein paar Wochen schön, aber auf Dauer hat mir das Kreative gefehlt. Im Catering und in der Gastronomie war es vielseitiger, aber oft auch deutlich stressiger. Hier in Maria Laach habe ich Struktur und trotzdem viel Gestaltungsspielraum. Das ist für mich eine ideale Mischung: Ich kann kreativ sein, eigene Rezepte ausprobieren, Trends aufgreifen – und gleichzeitig in einem Rahmen arbeiten, der von etwas Größerem getragen ist.
Lj: Woher kommen Ihre Rezepte? Ist das eher eigenes Ausprobieren oder orientieren Sie sich an Trends anderer Köche?
Bengel: Der Großteil sind eigene Kreationen. Aber natürlich bekommt man mit, welche Trends gerade laufen – wie zum Beispiel Bowls oder die zunehmende Nachfrage nach vegetarischer und veganer Küche. Das lassen wir dann in unser Angebot einfließen. Bei den Mitbrüdern haben wir ein bis zwei, die aufs Fleisch verzichten, insgesamt sind die Mönche sehr genügsam. Trends greifen wir auf, wenn sie passen – gefeiert wurde zuletzt zum Beispiel Pulled Pork. Nicht nur klassisch Eintopf oder Bratwurst. Die Mischung wird sehr gut angenommen.
Lj: Kochen Sie nach so viel Küchenalltag zu Hause überhaupt noch – und wenn ja, wie?
Bengel: Ja, ich koche auch zu Hause. Oft anders als im Kloster, eher Dinge, die ich hier nicht so mache – zum Beispiel viel am Grill, gerne auch aufwendiger. Meine Frau sagt dann manchmal: „Das ist kein entspanntes Kochen, das ist Kopf-Kochen.“ Wir können beide kochen, doch natürlich bringe ich meinen Anspruch aus der Profiküche mit nach Hause. Das sorgt schon mal für Diskussionen, aber meistens wissen wir ganz gut, wer wann den Kochlöffel in der Hand hat.
Lj: Zum Schluss ganz einfach gefragt: Woraus besteht Ihr Rezept für eine funktionierende Küche?
Bengel: Pünktlichkeit, Ordnung, Vertrauen.
Ausflugstipp
Besonders schön ist der Anblick des Klosters auch vom gegenüberliegenden Seeufer aus - ein Spaziergang (Rundweg ca. 8 km), der sich zu jeder Jahreszeit lohnt. Im Anschluss laden Gastronomie und Cafés am Seeufer und im Klosterbereich zur Einkehr ein.
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Produkte aus Maria Laach
Eine Auswahl an Produkten aus Maria Laach - Fruchtaufstriche, Senf, Gewürze, aber auch Kerzen und andere Kunstgegenstände- ist auch in der Steyler Buchhandlung in Sankt Augustin erhältlich. Ansonsten natürlich online im Laacher Klosterladen.





