Erstellt von Michael Kreuzer SVD

Pater Kreuzer erklärt die Bibel: Auf welche Bibelstelle geht der Zölibat zurück?

Pater Kreuzer erklärt die Bibel: Auf welche Bibelstelle geht der Zölibat zurück?
Pater Kreuzer erklärt die Bibel: Auf welche Bibelstelle geht der Zölibat zurück?

Der Zölibat ist für katholische Priester verpflichtend. | Foto: shutterstock

Nicht immer erschließt sich der Inhalt der Bibel beim ersten Lesen. Darum haben wir den Steyler Pater Michael Kreuzer gebeten, sie uns zu erklären.

Der Zölibat gründet in Jesu Ehelosigkeit, die er bewusst gewählt hat – was in seinem jüdischen Umfeld durchaus anstößig war, gehört doch die Weitergabe des Lebens zum Schöpfungsauftrag des Menschen (Gen 1,28). Jesus hat der Entscheidung für Gott und sein Reich den Vorrang vor allem andern gegeben, auch vor dem Wert der Ehe. Er hat auch andere dazu aufgefordert, es ihm nachzutun (z. B. Lk 14,26; 18,29–30).

Allerdings: Keine anderen zu Priestern zu weihen als nur solche, die die Berufung zur Ehelosigkeit in sich verspüren, ist kirchliches, nicht jesuanisches Gesetz.

Dass es in der römisch-katholischen Kirche einen eigenen Priesterstand (Klerus, Amtskirche) im Gegenüber zum Laienstand gibt, hat seinen tiefsten Grund in ihrem Eucharistie-, Sakramenten- und Kirchenverständnis. 

Kein Mensch kann eigenmächtig Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi wandeln, worin Er sich uns aus freien Stücken schenkt. Was allein im souveränen Willen Gottes liegt, darüber kann der Mensch nicht verfügen. Um das auch leibhaftig, symbolisch, augenfällig zum Ausdruck zu bringen, besteht die Kirche darauf, dass nur die Weihe zur eucharistischen Wandlung und zur Sakramentenspendung ermächtigt. 

Die Weihe geschieht durch Handauflegung eines Bischofs. Dieser muss selbst auch wieder durch Handauflegung rechtmäßig ordiniert sein. Die Kette der Handauflegungen reicht zurück bis zu den Aposteln, die ihre Ermächtigung durch den auferstandenen Herrn selber erhalten haben. Die Kirche nennt das die „apostolische Sukzession“, sozusagen die „Ermächtigungskette“. 

Nur die ununterbrochene Kontinuität „nach hinten“, zurück bis zum Osterereignis, berechtigt die Kirche der Gegenwart, Eucharistie zu feiern und Sakramente zu spenden. Aufgabe der Priester ist, das Wunder, die Gnade zu repräsentieren, denen sich die Eucharistie, die Sakramente und die Kirche verdanken. Die Kirche als „Volk Gottes“ und „heilige Versammlung“ kann sich nicht selbst konstituieren (wie ein säkularer Staat, in einem Gründungsakt von Menschen), sie ist eine von Gott gegründete, zusammengerufene und zusammengehaltene Gemeinschaft. Das sollen die „Geweihten“ augenfällig machen.

Für dieses „Amtsverständnis“ der Kirche lassen sich keine biblischen Belegstellen anführen. Es steht mehr zwischen den Zeilen. Es ist „im Geist“ der Bibel verankert. Es ist „in ihrem Sinn“. Hoffentlich.

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