Erstellt von Ulla Arens
Steyler Projekt

Steyler Missionare protestieren mit indigenen Gemeinden gegen Geothermie auf Flores

Beschreibung

Das Geothermiekraftwerk in Ulumbu, Indonesien
Trotz der Bedenken der indigenen Bevölkerung soll das Geothermiekraftwerk ausgebaut werden

Das Geothermiekraftwerk von Ulumbu ging 2012 in Betrieb. Nun soll es erweitert werden | Foto: Garry Lotulung

Giftige Dämpfe steigen aus dem Boden auf – eine Folge von Geothermiebohrungen, sagen indigene Gemeinden auf der indonesischen Insel Flores. Sie fürchten um ihr Land, ihre Kultur und ihre Lebensgrundlagen. Ihren Protest gegen die Geothermieprojekte unterstützen die Steyler Missionare

Diese Geschichte ist ein Versprechen. Ein Versprechen an die indigenen Menschen von Poco Leok und Mataloko, zwei Orte auf der Insel Flores, über ihre Ängste vor den Geothermie-Kraftwerken zu berichten. Und über den Wunsch, dass ihre Stimmen endlich gehört werden und sie sich nicht mehr von den indonesischen Behörden eingeschüchtert und schikaniert fühlen. Um dieses Versprechen baten die Indigenen bei einem Besuch von ‚Leben jetzt‘ in ihrem Dorf, und wir haben es ihnen gerne gegeben. Gefeiert und besiegelt wurde es, indem sie ihre traditionellen Trommeln und Gongs schlugen. Die Klänge übertönten den Regen, der gegen das Wellblechdach der Hütte ­prasselte.

Lange Folgen eines kurzen Versuchs

Die Angst vor der Geothermie hat eine lange Geschichte. Vor 30 Jahren wurde in Mataloko, in der Mitte der Insel, ein erstes Geo­thermiekraftwerk gebaut – ein Fehlschlag. Das Werk ging nur für kurze Zeit ans Netz. Unweit mehrerer Häuser steht ein Überbleibsel der alten Anlage: ein Bohrloch, umgeben von einem Zaun, daneben ein Betreten-verboten-Schild mit Totenkopf. Obwohl angeblich zugeschüttet, entweicht aus der alten Bohrstelle Dampf. Es stinkt bestialisch nach faulen Eiern – Schwefelwasserstoff, ein hochgiftiges Gas. Den Bach, der hier einmal entlangfloss, gibt es nicht mehr. Stattdessen blubbert kochend heißer Schlamm aus dem Boden. Die Felder nebenan sind verlassen. Hier wächst nichts mehr.

Die Wellblechdächer der Häuser sind völlig verrostet. Statt alle 20 Jahre müssen sie in diesem Gebiet alle paar Monate erneuert werden – eine Folge des Schwefelwasserstoffs, so die Bewohner, die zudem über Haut- und Atembeschwerden klagen. Tatsächlich kann dieses Gas Korrosion verursachen, Haut und Atemwege reizen, bei sehr hohen Konzentrationen sogar zum Atemstillstand führen.

„Früher war das Land fruchtbar, die Ernte gut“, sagt Augustina Kigo, 52, die vor ihrer Hütte sitzt. „Doch seitdem hier gebohrt wurde, ist das nicht mehr so.“ Eine Luftuntersuchung in mehreren Dorfgebieten ergibt, dass die zulässigen Werte von Schwefeldioxid – das zu saurem Regen führen kann, der Boden und Pflanzen schädigt – und Schwefelwasserstoff um ein Vielfaches überschritten sind.

Sorge um die Sicherheit der Geothermie

Grundsätzlich gilt Geothermie als nachhaltige, umweltfreundliche und sichere Lösung, um aus Erdwärme Strom zu erzeugen – eine konstant verfügbare Energie. Aufgrund seiner vielen Vulkane halten Fachleute Indonesien, das auf dem Pazifischen Feuerring liegt, sehr geeignet für diese Art der Energiegewinnung. Dementsprechend setzt die indonesische Regierung auf diese erneuerbare Energie. So sollen auf der Insel Flores mit ihren knapp zwei Millionen überwiegend katholischen Einwohnern insgesamt 16 Kraftwerke gebaut werden. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert den Bau beziehungsweise Ausbau der Geothermie in Indonesien mit 210 Millionen Euro. Dazu gehören auch die beiden Kraftwerke in Ulumbu und Mataloko, dort wo der erste Versuch gescheitert ist. Gebaut werden sie vom staatlichen indonesischen Elek­trizitätsunternehmen PLN.

Die Menschen von Mataloko zweifeln an der Sicherheit der Geothermie. Ob alle Veränderungen und Ereignisse, die sie beobachten, tatsächlich mit der Geothermie und den Bohrungen zusammenhängen oder einen anderen Grund haben – das müssen Experten klären. Die Betroffenen haben dazu keine Studien, nur ihre jahrzehntelangen Erfahrungen. Und die sagen ihnen, dass so etwas vor den Bohrungen nicht passiert ist.

Die Steyler unterstützen die Indigenen

Und die Stimmen gegen die Kraftwerke werden immer lauter, nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes. Gemeinsam mit den Indigenen protestieren die Steyler Missionare, allen voran Pater Budi Kleden SVD, Erzbischof der Erzdiözese Ende in Flores, gegen die Pläne der Regierung. „Geothermie kann eine sehr gute Sache sein, wie sich an anderen Orten zeigt. Aber für Flores ist sie keine Option“, so der Erzbischof und frühere Generalsuperior der Steyler Missionare. Mehrere Gründe sprechen für ihn dagegen: „Die Geothermie nimmt den Menschen auf dieser kleinen Insel, die nur über begrenzte Anbauflächen verfügt, viel fruchtbares Land weg, das sie zum Überleben brauchen. Für die Bohrungen wird jede Menge Wasser benötigt. Das wird aus Gebieten entnommen, die für den Reisanbau wichtig sind.“ Nicht zuletzt geht es ihm um die Würde und die Rechte der Betroffenen. „Die Kultur und Identität der Menschen ist gefährdet, da sie eng mit ihrem Land und der Landwirtschaft verbunden sind.“

Es ist auch der Mangel an Information, das Ignorieren ihrer Bedenken, was die Stimmung der Menschen gegen diese Projekte zusätzlich anheizt. Das Verhalten der Verantwortlichen verstößt damit gegen den von der UN festgelegten Grundsatz, nach dem indigene Völker für ein geplantes Projekt ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung geben müssen. Aber genau das sei nicht passiert, sagt Pater Felix Baghi SVD, der den Protest in Mataloko unterstützt. „Hier haben die Behörden nicht informiert, sondern die wichtigsten Personen der indigenen Gruppen genommen und gezwungen zuzustimmen.“

Sie seien nicht im Voraus über das Projekt informiert worden, betont auch Kleinbauer Antonius Ann, 31. Dabei sei das Land heilig für die Menschen, verbunden mit ihrer spirituellen Welt. „Unter der Erde leben die Ahnen.“ Viele aus seinem Dorf wollen sich der Protestbewegung anschließen. „Aber sie haben Angst, von den lokalen Behörden bedroht zu werden. Die sagen ihnen: ‚Wenn du dich äußerst, bekommst du keine Sozialhilfe mehr.‘“

Der Protest geht weiter

Etwa 150 Kilometer westlich von Mataloko soll das Geothermiekraftwerk von Ulumbu von 10 auf 40 Megawatt erweitert werden – ebenfalls mithilfe der KfW. Dazu sind neue Bohrungen notwendig. Unweit des Kraftwerks steigen – ähnlich wie in Mataloko – kochend heiße Blasen aus dem schlammigen Boden auf. Rauch entweicht aus dem ehemaligen Flussbett und aus vielen Stellen in den Berghängen. Überall wabert der Gestank nach faulen Eiern.

Ihre Ablehnung der Geothermieprojekte haben die Betroffenen der KfW mündlich und schriftlich mitgeteilt. Auch Erzbischof Budi Kleden hat sich gegenüber der Bank für den Stopp des weiteren Ausbaus der Geothermie ausgesprochen. Alle Beteiligten hoffen, dass die KfW dem Vorbild der Weltbank folgt: Die hat sich aus der Finanzierung eines Geothermieprojekts auf Flores wegen der Kontroversen zurückgezogen.

Auf Anfrage gab die deutsche Bank folgende Stellungnahme: „Die KfW hat die Finanzierung für die geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Vorhaben Ulumbu und Mataloko ausgesetzt. PLN hat sich gegenüber KfW vertraglich verpflichtet, die internationalen Umwelt- und Sozialstandards zu beachten und zu erfüllen. Die KfW hat PLN deshalb aufgrund der Proteste noch einmal aufgefordert, die notwendigen Prozesse nach Weltbankstandards durchzuführen und Maßnahmen zur Verbesserung bei der Information und Zustimmung der lokalen Bevölkerung empfohlen. Der Projektträger arbeitet derzeit daran. Dies wird etwas Zeit in Anspruch nehmen.“ Die Menschen von Mataloko und Poco Leok werden weiter gegen die beiden Projekte demonstrieren. Und mit ihnen die Steyler Missionare. 

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Zur Rubrik

Indonesien: das größte Inselreich der Welt

Bevölkerung

  • Der Archipel umfasst 17.000 Inseln, davon sind etwa 6.000 bewohnt.
  • Mit über 280 Millionen Einwohnern steht Indonesien an vierter Stelle der meistbevölkerten Länder der Welt.
  • Die Hauptstadt Jakarta mit 10 Millionen Einwohnern (mit Umland über 40 Millionen) versinkt langsam im Meer. Deshalb entsteht auf Borneo eine neue Hauptstadt namens Nusantara.

Religion

  • Knapp 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Nur drei Prozent sind katholisch – auf der Insel Flores ist es die Mehrheit der Bevölkerung.

Geografie

  • Aufgrund ihrer Lage auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring ist die bergige Insel von häufigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen betroffen.

Wirtschaft

  • Exportiert werden fossile und mineralische Rohstoffe, wie Kohle, Gas, Kupfer und Nickel, sowie Agrarprodukte wie Palmöl und Kautschuk. 

Geschichte/ Politik

  • Als Niederländisch-Indien war Indonesien eine der ersten niederländischen Kolonien. 
  • 1949 wurde die Republik Indonesien gegründet.
  • 1967 übernahm General Suharto die Macht. Seine Militärherrschaft war von Korruption, Repression und Gewalt geprägt. 1998 wurde er gestürzt.
  • 2024 wurde Prabowo Subianto zum Präsidenten gewählt, der in seiner Militärzeit mit schweren Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird. Kritiker sehen die Demokratie in Gefahr. Indonesien ist ein Land mit erheblicher Korruption.
  • In dem Schwellenland leben neun Prozent der Bevölkerung in Armut. Etwa 30 Prozent haben die nationale Armutsgrenze nur knapp überschritten.

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