Die Steyler & ich

Steyler Kardinal Ladislav Nemet segnete Grabstätten von Geflüchteten

Beschreibung

Foto der Teilnehmenden auf dem Friedhof
Die Gestaltung von Friedhöfen und die Errichtung von Grabsteinen ist Teil einer seit mehreren Jahren laufenden Gedenkarbeit. Sie soll auf die Krise entlang der Balkanroute aufmerksam machen

Neben Kardinal Nemet nahmen auch Petar Rosandic von SOS Balkanroute (Bild MItte), Roswitha Feige vom Pfarrnetzwerk Asyl (ganz rechts) sowie Vertreter:innen weiterer zivilgesellschaftlicher Organisationen an der Zeremonie teil | Foto: David Pichler - SOS Balkanroute

Der Erzbischof von Belgrad fand bei einer interreligiösen Feier in Serbien klare Worte: "Gott ist barmherziger als all unsere Vorschriften, Gesetze und die Grenzpolizei.“

Der Grenzfluss Drina trennt Bosnien-Herzegowina und Serbien, doch für immer mehr Geflüchtete ist er eine Grenze zwischen Leben und Tod. In der serbischen Grenzstadt Loznica hat der Steyler Missionar und Erzbischof von Belgrad, Kardinal Ladislav Nemet, am Dienstag, 27. Jänner 2026, 28 Grabsteine und Grabstätten für ertrunkene geflüchtete Menschen eingeweiht.

Die Gedenkorte auf dem orthodoxen städtischen und dem islamischen Friedhof entstanden auf Initiative der zivilgesellschaftlichen Organisationen SOS Balkanroute, Djeluj.ba und Leavenoonebehind und wurden mit Spenden aus Österreich und Deutschland finanziert. Die Zeremonie war interreligiös angelegt, neben dem serbischen Erzbischof stand auch der Belgrader Imam Tafa El Beriša der Feier vor, bei der auch das österreichische Pfarrnetzwerk Asyl vertreten war.

Kardinal Nemet: Gott ist barmherziger als Gesetze und Grenzpolizei“

Kardinal Nemet hob im Rahmen der Feier die Würde der Geflüchteten hervor und kritisierte die Praxis an den Grenzen: „Jeder Mensch hat einen grenzenlosen Wert. Kriege, Gewalt und Klimaveränderungen führen zu Migration. Ob man sie legal oder illegal nennt, ändert nichts an der Würde der Menschen. Gott ist weitaus barmherziger als all unsere Gesetze, Vorschriften und die Grenzpolizei“, stellte der Kardinal klar. Wären die Verstorbenen an einem anderen Ort geboren worden, hätten sie sicherlich frei nach Europa kommen können.

Kardinal Nemet verglich das Engagement der Flüchtlingshelfer:innen mit jenem aus dem Buch Tobit. Dort wird berichtet, dass der Jude Tobit, der in Ninive in der Fremde lebte, sich seiner toten Landsleute annahm und sie begrub.

Auch Baby unter Todesopfern

Unter am Friedhof bestatteten 19 nicht-identifizierten und neun identifizierten ertrunkenen Geflüchteten war auch das neun Monate alte syrische Baby Lana Hilal, das im August 2024 gemeinsam mit seinen Eltern in der Drina ertrank. „Lanas Tod steht symbolisch für die extreme Verletzlichkeit von Menschen auf der Flucht – und für ein System, das sie ohne Schutz zurücklässt“, sagte Petar Rosandić von SOS Balkanroute. Auf dem islamischen Friedhof wurde zudem ein Brief von Lanas Onkel Muhammed Hilal verlesen. „Obwohl seit der Tragödie fast eineinhalb Jahre vergangen sind, ist der Schmerz noch immer da, als wäre alles erst gestern geschehen“, erinnerte sich Muhammed Hilal.

Vier Friedhöfe und 95 Grabsteine

Die Friedhöfe in Loznica sind Teil einer seit mehreren Jahren laufenden Gedenkarbeit. Der bosnische Flüchtlingshelfer Nihad Suljic und SOS Balkanroute hatten bereits Friedhöfe in Bijeljina und Zvornik eingerichtet.

Mittlerweile wurden in Bosnien und Serbien 95 verwitterte Holzmarkierungen durch dauerhafte Grabsteine ersetzt, vier Friedhöfe gestaltet sowie drei Denkmäler in Slowenien, Serbien und Bosnien errichtet, um an die verstorbenen Geflüchteten auf der Balkanroute zu erinnern. Schätzungen zufolge gibt es allein an der Drina mehr als hundert Gräber, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Leichen nie geborgen wurden. Die Gedenkarbeit macht auch auf die anhaltende humanitäre Krise entlang der Balkanroute aufmerksam.

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Zur Person

Der Belgrader Erzbischof Ladislav Nemet SVD lebte von 1994 in Österreich, wo er bis 2004 Mitglied der Österreichischen Provinz der Steyler Missionare war. Er lehrte als Professor für Dogmatik an der damaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule von St. Gabriel und war Präfekt der Theologiestudenten. In der Südstadt (Pfarre Maria Enzersdorf) war Nemet von 1997 bis 2003 Aushilfskaplan. 2024 wurde Ladislav Nemet von Papst Franziskus ins Kardinalskollegium aufgenommen.

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