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Steyler Impulse für die Fastenzeit

Beschreibung

Foto einer Schüssel Asche mit einem Kreuz darin, im Hintergrund Palmzweige
Die Steyler Missionare wollen Sie durch die Fastenzeit begleiten

Die vorösterliche Fastenzeit bedeutet mehr als in Sack und Asche zu gehen | Foto: iStock

Die Fastenzeit ist eine besondere Zeit zur Rückbesinnung auf die eigene Beziehung mit Gott. Aber wie soll das gehen? Dazu verfassen Steyler und Steyler Schwestern an dieser Stelle jede Woche einen Impuls

Impuls zur Karwoche

„Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider!“ (Joel 2,13) Das Sich-an-die-Brust-Fassen und Sein-Hemd-Zerreißen war eine starke Geste der Trauer, des Schmerzes, aber auch der Entrüstung, Empörung und Distanzierung von einer Gotteslästerung. Man entblößte seine Brust, um sein Herz, sein Innerstes freizulegen und Gott darzubieten, so als wollte man sagen: „Schau her, welcher Tumult, welcher Kampf sich hier gerade abspielt!“ Wenn nun statt der Kleider das Herz selbst zerrissen werden soll, dann wird die starke Geste noch einmal verstärkt – bis in die Unmöglichkeit, sie auszuführen. Wenn es einem das Herz zerreißt, soll man es aktiv wollen. Nichts darf rein äußerlich bleiben, es muss bis ins innerste Innen gefühlt werden und ehrlich sein. So groß müssen der Schmerz und die Entrüstung über die Sünde der Welt und in der eigenen Brust sein, damit sich etwas zum Guten verändern kann.

Pater Michael Kreuzer SVD


Impuls zu Palmsonntag

Hosianna dem Sohne Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!

Mit frohen Gesängen und freudiger Stimmung beginnt mit dem Palmsonntag die Karwoche. Frohe Gesänge gehen dem Leiden Jesu voraus. Jubelrufe enden in wütenden Rufen: Kreuzige ihn!

So schnell kann eine Stimmung umschlagen und sich ins genaue Gegenteil kehren: Aus froher Begeisterung wird aufgebrachte Wut.
Aus herzlicher Dankbarkeit wird eiskalte Ablehnung.
Die Freude wandelt sich in Leid.

Und Jesus bekommt beides zu spüren – hautnah. Heute jubeln sie ihm freudig zu. Heute wird er als ihr Messias gepriesen. Heute winken sie ihm zu mit Zweigen in den Händen.
Bald schon fallen die Zweige und die Hände formen sich zu Fäusten.
So schnell kann es gehen. So schnell ändern sich Situationen.

Und genau das kennen auch wir.

Freude und Leid. Sie liegen so eng beisammen. Und kaum glauben wir, uns an etwas von Herzen freuen zu können, da werden wir jäh herausgerissen aus dieser frohen Stimmung, weil ein trauriges Ereignis unsere Freude trübt.

Auch Jesus kannte diese Realität. Auch Jesus war eingespannt in diese beiden Seiten und in das Hin und Her an Gefühlen, die ihm begegneten.
Begeisterte Nachfolger werden plötzlich zu Zweiflern und verleugnen ihn sogar: „Ich kenne ihn nicht“.
Die engsten Freunde Jesu machten sich aus dem Staub, als es ernst wurde.

Jesus stand mitten im Leben. So wie wir. Er kannte die schönen Zeiten und er kannte die Not. Er hat die Freude erfahren und das Leiden. In den kommenden Tagen werden wir das alles auf so verdichtete Weise feiern und uns daran erinnern.

Und wenn wir das tun, dann wird wohl oft auch unser ganz persönliches Leben darin vorkommen: unsere Freuden und eben auch unser Leid.

Es ist tröstlich zu wissen, dass Jesus das alles kennt. Es lässt uns glauben, dass wohl er uns am besten versteht, in unseren Freuden und unserem Leid.

Wenn wir in den kommenden Tagen Jesu Weg des Leidens bis hin zur Auferstehung gedenken, dann dürfen wir unseren je eigenen Lebensweg ganz in diesen Weg hineinlegen. Jesus lädt uns ein, mit ihm diesen Weg zu gehen.

Pater Josef Denkmayr SVD


Gebet zu Laetare

Freude in der Fastenzeit

In der Fastenzeit werde ich immer wieder gefragt: „Darf man sich in der Fastenzeit überhaupt freuen?“ Viele denken dabei zuerst an Verzicht, an weniger essen, weniger genießen oder mehr beten – und fragen sich, ob da noch Platz für Freude bleibt.

Doch die Fastenzeit will uns nicht traurig machen. Sie lädt uns ein, bewusster zu leben. Wenn wir auf etwas verzichten, tun wir das nicht, um uns zu quälen, sondern um innerlich freier zu werden. Wir dürfen spüren, wo unsere Grenzen liegen – und genau dort begegnet uns oft etwas Neues: Gottes Kraft, seine Gnade, sein Leben in uns.

Fastenzeit ist also nicht nur eine Zeit des „Weniger“, sondern eine Zeit des „Mehr“ – mehr Tiefe, mehr Bewusstsein, mehr Offenheit für Gott. Wir tun etwas, ja, aber zugleich öffnen wir die Tür, damit Gott in uns wirken kann. Wo das gelingt, wächst Freude – nicht laute, oberflächliche Freude, sondern diese stille, tiefe Freude, die spürbar wird, wenn man merkt: Ich bin auf dem richtigen Weg.

Darum gibt es mitten in der Fastenzeit den Sonntag „Laetare“ – „Freue dich!“ Er erinnert uns daran, dass wir uns schon jetzt auf Ostern freuen dürfen. Die Auferstehung ist der Sieg des Lebens über das Dunkel. Wer das versteht, der kann selbst in der Fastenzeit froh sein.

Gebet:
Liebender Gott,
danke für diese besondere Zeit der Gnade.
Hilf mir, in kleinen Schritten mich selbst besser zu verstehen
und neu zu entdecken, was wirklich zählt.
Öffne mein Herz für dein Wirken in meinem Leben
und schenke mir Freude, die aus deiner Nähe kommt.
Amen.

P. Anantham Antony SVD


Impuls zur 4. Fastenwoche

Stellen Sie sich vor: Zum ersten Mal hört ein Mensch die Stimme eines anderen – über Kilometer hinweg. 1876 erhielt Alexander Graham Bell das Patent für das Telefon. Eine kleine Erfindung – und doch so mächtig: Menschen konnten miteinander sprechen, selbst wenn sie weit voneinander entfernt waren.

Ein Anruf, der alles verändert

Kürzlich erzählte eine Frau bei einem Dienstgespräch vor Beginn der Fastenzeit: „Ich verzichte dieses Jahr nicht auf Süßigkeiten. Stattdessen möchte ich jeden Tag einen Menschen anrufen.“ Seit Aschermittwoch wählt sie bewusst einen Namen aus ihrer Kontaktliste. Kein Massen-Posting, keine kurze Nachricht, kein Emoji. Ein echtes Gespräch. Eine Stimme. Zuhören. Nachfragen. Dasein.

Als ich in der Ausbildungsgemeinschaft der Steyler Missionare in Sankt Augustin war, stand in meinem Zimmer ein Telefon, bei dem jede Minute – zum Beispiel nach Indonesien – 19 Cent kostete. „Time is money.“ Gespräche waren kurz, konzentriert auf das Wesentliche. Heute ist vieles leichter: Internet, Messenger-Dienste, soziale Medien. Hunderte Kontakte im Handy – und doch oft nur wenige echte Begegnungen. Das kleine Gerät in unserer Tasche kann verbinden. Es kann aber auch trennen. In seelsorglichen Gesprächen erlebe ich immer wieder, wie sehr Menschen sich nach Aufmerksamkeit sehnen – nach echtem Interesse, nach Zeit. Und oft spüre ich: Nicht nur mein Gegenüber wird beschenkt. Auch ich gehe bereichert daraus hervor.

Jedes echte Gespräch öffnet Türen

Für diese Frau ist das Telefon in der Fastenzeit zu einem geistlichen Werkzeug geworden. In einer Welt voller Ablenkungen kann ein bewusst geführtes Gespräch zu einem Akt der Nächstenliebe werden – und zugleich zu einem Gebet. Die Fastenzeit lädt uns ein, den Blick zu weiten – weg von uns selbst, hin zum anderen. Sie bedeutet nicht nur Verzicht, sondern vor allem Hinwendung: zu den Menschen, die einsam sind, Unterstützung brauchen oder sich vergessen fühlen. Je tiefer die Begegnung, desto mehr entsteht Raum – nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern auch für Gott. Wer wirklich zuhört, wird still. Und in dieser Stille kann Gottes Stimme hörbar werden. Jedes echte Gespräch öffnet Türen – für den anderen und für Gott.

Vielleicht klingelt Gott leise in einem dieser Gespräche. Die Fastenzeit lädt uns ein, bewusst „abzuheben“: Wem schenke ich meine Zeit – und wann höre ich auf Gottes Stimme?

Pater Agateus Ngala SVD


Rezept für die 3. Fastenwoche

Es muss nicht immer gleich eine strenge Heilfastenkur sein. Schwester Bernadette empfiehlt eine sanfte Form des Fastens - nährende und wohlschmeckende Gerichte wie zum Beispiel Hirse mit Birne:

Zutaten

Für 2 Portionen

  • 300 ml Wasser
  • 150 g Hirse
  • 50 g gemahlene Walnüsse
  • 2–3 Birnen
  • 5 Gewürznelken
  • 1 Prise frisch geriebene Muskatnuss
  • 2 TL Honig
  • 1⁄2 TL gemahlener Zimt
  • 1 Prise gemahlener Kardamom
  • 1 Prise Salz
  • Saft von 1⁄2 Zitrone
  • 2 EL Leinöl

Zubereitung

  1. Wasser in einem Topf erhitzen, Hirse darin aufkochen lassen. Walnüsse zugeben und Hirse auf kleiner Flamme zugedeckt 10 Minuten weich kochen.
  2.  Birnen vierteln, Kerngehäuse entfernen und in Spalten schneiden. Birnenstücke mit Gewürznelken und Muskat in einem kleinen Topf mit wenig Wasser (150 ml), aufkochen und 5 Minuten weich dünsten.
  3. Hirse mit Honig, Zimt, Kardamom, Salz und Zitronensaft abschmecken und weitere 10 Minuten ausquellen lassen.
  4. Hirse auf zwei Schüsseln verteilen, Birnenstücke darübergeben und mit je 1 EL Leinöl verfeinern.

Schwester Bernadette Dunkel SSpS


Impuls zur 2. Fastenwoche

Viele Menschen sehnen sich heutzutage so sehr nach Sinn, Tiefe, Frieden. Vielleicht spüren wir alle gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, wie gut es tut, einmal bewusst langsamer zu werden, und Gott wieder näher an uns heranzulassen. So lädt uns die Fastenzeit jedes Jahr neu ein, den Blick zu schärfen: weg von Überfluss, einfacher zu leben, bewusster zu teilen, Ballast abwerfen – Raum zu schaffen, dass Neues wachsen kann. Fasten heißt nicht nur verzichten, es heißt frei werden, hin zu dem, was wirklich trägt. Darum ist die Fastenzeit auch eine Chance, die eigene Beziehung zu Gott zu vertiefen, innerlich zur Ruhe zu kommen. Gerade dort, wo es stiller wird, kann Gottes Stimme wieder hörbar werden.

Möge die Fastenzeit uns helfen, erfüllt von Dankbarkeit und Ermutigung, klarer zu sehen, und so mit Hoffnung auf Ostern zuzugehen.

Schwester Mary Linda Krems SSpS


Impuls zur 1. Fastenwoche

Zwei Bilder von Schülerinnen der Oberstufe (HBLA) Elmberg aus dem Fastenkalender der Steyler Missionare in Österreich möchte ich uns allen heute am Aschermittwoch mit in die Fastenzeit geben:

Vom bunten Treiben der Faschingszeit hinein ins Aschengrau der Fastenzeit?

NEIN

Hinaus in den Regen der Welt - ausgestattet mit dem Regenschirm Gott, der Farbe in das Regengrau der alltäglichen Eintönigkeit bringt mit seinem liebenden, bunten Blick auf seine Schöpfung und uns einlädt, es ihm gleich zu tun.

Von der gemeinschaftlichen Ausgelassenheit in die Abgeschiedenheit des stillen Kämmerleins zur fastenzeit-verordneten Selbstoptimierung?

JEIN

In der Stille Energie und Ideen tanken, um auf den Nächsten zuzugehen mit einer Geste, die aufatmen lässt, die Lebensfreude weitet.

So verstehe ich biblisches Fasten, das immer Einübung ist in die uns von Jesus Christus geschenkte Auferstehungserfahrung. Der Erschließung dieser sprudelnden Kraftquelle Gott hat sich der diesjährige Steyler Fastenkalender verschrieben.

Pater Stephan Dähler SVD

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