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Fürchtet Euch nicht: Was gegen die Angst hilft

Fürchtet Euch nicht
Fürchtet Euch nicht

Das Leben wagen, trotz aller Ängste. | Foto: Serenkonata/AdobeStock

Die letzten Monate waren für viele Menschen beängstigend. Wie kommt man mit seiner Angst zurecht? Was kann der Glaube dazu beitragen? Unsere Autorin Xenia Frenkel hat sich auf die Suche gemacht

Anfang dieses Jahres brach ein Virus mit dem Namen Sars-CoV-2 los. Anfangs noch als harmlose Grippe abgetan, wurde es von Experten bald als gefährlich eingestuft und sie warnten vor seiner rasanten Ausbreitung. Selbst heiteren Gemütern wie mir verging das Lachen. Die Hoffnung, dass es bald vorüber sein würde, blieb dann auch noch auf der Strecke.

Wochenlang schreckte ich gegen drei Uhr nachts aus wirren Träumen hoch. Die diffusen nächtlichen Ängste folgten mir wie ein Schatten durch den Tag. Niemand von uns hat so etwas schon mal erlebt. Beinah jeder ist auf die eine oder andere Weise betroffen und macht sich Sorgen. Um die alten Eltern, die Kinder, Enkel, Freunde, Kollegen, die Jobs, die Flüchtlinge.

Ist das erst der Anfang? Hört es wieder auf? Fängt es wieder an? Angesichts dieser abstrakten und zugleich konkreten Bedrohung stellt sich das Gefühl von Ohnmacht ein. „Der totale Kontrollverlust ist seelisch der größtmögliche Störfaktor“, sagt der Kölner Psychologe Stephan Grünewald. Wenige Wochen nach Beginn der Pandemie steht fest, dass diese Krise nicht nur massive wirtschaftliche, sondern auch psychologische Folgen haben wird. Angststörungen nehmen zu. Bereits vor Corona waren in Deutschland über zehn Millionen Menschen betroffen. Natürlich hatten wir auch schon vor der Krise Ängste und Sorgen. Wenn der Partner oder ein Kind schwer erkrankte, vor einem Jobverlust oder auch nur vor dem Zahnarzt.

Angst gehört zur menschlichen Existenz und ist als Warnfunktion für unser Überleben unabdingbar. Angst lehrt uns, vorsichtig zu sein, Gefahren besser einzuschätzen, uns zu schützen und, soweit möglich, Vorsorge zu treffen.

„Angst vertreibt uns aus dem Leben, wir kreisen dann nur noch um uns selbst“, sagt die österreichische Psychotherapeutin Elisabeth Lukas. Es gibt nur einen Ausweg: „Wir müssen unser angstvolles Ich der Welt mit all ihren Gefahren ausliefern. Wir müssen das Leben wagen.“ Oder wie Viktor Frankl, der große Wiener Neurologe und Psychiater, der vier Konzentrationslager überlebte, schrieb: „Trotzdem Ja zum Leben sagen.“

Wir wollen, dass jemand unsere Hand hält, wenn wir Angst haben. Ach, lieber Gott, was denkst du dir eigentlich? Was hast du mit uns vor? Bist du denn noch da?

Es ist die alte Frage, die Christen seit jeher beschäftigt: Wie kann ein allmächtiger, gütiger Gott zulassen, dass uns Pandemien, Terroranschläge, Tsunamis, Kriege, Hunger, Krebs heimsuchen, dass unschuldigen Menschen unfassbares Leid geschieht wie einst dem biblischen Hiob? Der katholische Theologe Georg Langenhorst sagt, dass Hiob nicht für eine Antwort auf die Frage steht, warum es Leid in der Welt gibt, sondern „für das existenzielle Durchtragen von unverstehbar bleibendem Leid in Duldsamkeit und Rebellion, für das vertrauensvolle Festhalten an Gott gerade im Zweifel und in der Klage“.

„Fürchte dich nicht“, „fürchtet euch nicht“. Über hundert Mal findet sich diese Aufforderung in der Bibel. Sie ist das Menschheitsbuch gegen die Angst. Ihre Autoren wussten sehr gut, dass Angst Teil der menschlichen Existenz ist. Deshalb ist die Bibel auch ein wunderbares Trostbuch.

Der Glaube vermag Unsicherheit und Angst vielleicht nicht vollständig zu besiegen, aber er kann Halt geben, auch und gerade in schwierigen Zeiten.

Den vollständigen Artikel können Sie in unserer Zeitschrift lesen. 

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