Erstellt von Melanie Fox

Zu Besuch beim Orgelbauer

Zu Besuch beim Orgelbauer
Zu Besuch beim Orgelbauer

Diese imposante Konzertorgel steht in Los Angeles in der Walt Disney Concert Hall. | Foto: Glatter-Götz Orgelbau

Wenn die Orgel erklingt, wird uns feierlich ums Herz. Was da unsere Gefühle weckt, ist aber auch ein Meisterwerk der Technik. 'Leben jetzt'-Redakteurin Melanie Fox hat einen Orgelbauer besucht.

Als vor knapp 20 Jahren die Twin Towers in New York fielen, verstummte auch die Orgel der nahe gelegenen Trinity Church. Die Staubentwicklung der brennenden Türme war zu massiv für das empfindliche Instrument. Dass die Gläubigen in New York ihre Orgel wieder hören können, verdanken sie einem Unternehmen in Deutschland, der Orgelbaufirma Glatter-Götz vom Bodensee. „Jede Orgel ist ein Unikat und wird individuell nach den Wünschen des Kunden gefertigt“, erläutert Stefan Stürzer, Geschäftsführer und gelernter Orgelbauer. „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass wir das Gehäuse der alten Orgel aufarbeiten und weiterverwenden. Bestimmte Teile haben wir hier in Deutschland restauriert, die restlichen bearbeiten wir direkt vor Ort in den USA.“

Die Orgel: das größte aller Musikinstrumente

Bis eine Orgel geplant, gebaut und bespielbar ist, vergehen meist einige Jahre. Kein Wunder: Die Orgel ist das größte aller Musikinstrumente und wird daher auch als „Königin der Instrumente“ bezeichnet. Und sie hat das größte Frequenzspektrum, von fast unhörbaren tiefen bis zu ganz hohen Tönen.

Zieht man bei einer Orgel ein Register, spielt man eine Pfeifenreihe, die eine pfeifengleiche Klangfarbe hat. Das erklärt mir der Steyler Pater Eckhard Jaschinski, der schon als Jugendlicher Orgelunterricht genommen und sich immer autodidaktisch weitergebildet hat. Für ihn ist die Orgel die „Dienerin der Liturgie“, ein sakrales Musikinstrument.

Lob Gottes und Freude für uns Menschen

„Die Orgel dient dazu, Gott zu loben und die Gemeinde zu erfreuen. Als Organist hat man viele Möglichkeiten, die Gemeinde auf der Orgel nicht nur zu begleiten, sondern auch zu leiten. Mit meinem Spiel kann ich den Gesang lenken, indem ich entweder langsamer oder schneller und leiser oder lauter spiele. Da die Orgel gerade in der Kirche einen längeren Nachhall hat als in einem Konzertsaal, wird der Raum musikalisch ganz ausgefüllt – ein wunderbares Klangerlebnis“, so Pater Jaschinski.

Einen Gottesdienst ohne Orgelspiel, den können sich Pater Eckhard Jaschinski und ich nicht vorstellen, da würde besonders in der Advents- und Weihnachtszeit etwas fehlen. Pater Jaschinski freut sich schon darauf, dass er bald wieder „Die Pastorale“ von Bach spielen kann. „Dieses Musikstück zählt zu meinen Lieblingsstücken, es macht für mich Weihnachten aus. Besinnung und Feiern vereinen sich hier, Ruhe, Meditation und Heiterkeit. Dank der Orgel wird daraus ein absoluter Klanggenuss.“

Mehr über den Bau und das Spiel der Orgel finden Sie in unserer Zeitschrift.

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Zu Besuch beim Orgelbauer

Der Orgelbauer Stefan Stürzer ist in seinem Element, wenn er von den unterschiedlichsten Orgeln erzählt, an deren Bau er bereits beteiligt sein konnte. | Foto: Heinz Heiss

Schon die Ägypter spielten Orgel

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie seit der Renaissance weiterentwickelt wurden. Deutschland zählt weltweit zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik. Seit dem Mittelalter ist Orgelmusik auch Teil der kirchlichen Liturgie. Sie hat viele Komponisten wie Bach, Liszt oder Mendelssohn Bartholdy inspiriert.

 

Pater Jaschinski spielt Orgel

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